« Angeklopft - Meine persönliche DNA »

Frustschnitt / Notschnitt – Haarige Sache

Friseurbesuche sind für Frauen bekanntlich vergleichbar mit einem Besuch beim Psychiater. Die meisten Frauen lassen nur die Friseuse ihres Vertrauens an ihre Haare. Nicht nur das, die eine Friseuse führt auch noch ganz genau Akte über ihre Patientin, äh Kundin. Schnitt, Farbe, Produkte usw. Komischerweise, habe ich bisher erst einen Friseur kennengelernt.
Es ist kein Geheimnis, dass Frauen, die einen neuen Abschnitt in ihrem Leben beginnen, sich als erstes die Haare schneiden lassen. Und nicht einfach so. Was Neues muss her. Genauso denken viele Frauen über ein Make-over nach, wenn es gefühlsmäßig grad nicht so gut läuft. Das stimmt, ich spreche da aus Erfahrung. Mein Gott, wie oft wollte ich mir schon den Kopf rasieren.
Ich bin da keine Ausnahme. Auch ich hatte die Friseuse meines Vertrauens. Leider zog sie dann nach Leipzig. Und von da an ging es abwärts.
Ich bin in den letzten Jahren einfach zu oft umgezogen, um mehr als einmal zu einer Friseuse zu gehen, so ich denn mit dem ersten Schnitt zufrieden war. Deshalb ist Haare schneiden für mich ein Graus. Und ich habe das Gefühl, je länger die Haare werden, desto schlimmer wird es. Ich gehe erst, wenn es wirklich nötig ist vom Kopf her. Innen oder außen. Und dann muss es sofort sein, immerhin bin ich dann ein Notfall. Und ich hab schon die tollsten Sachen mitgemacht: Schief und ins Ohr geschnitten. Ein 10€-Damenhaarschnitt am Hauptbahnhof. Allerdings wusste ich vorher nicht, dass in diesem Laden fließend türkisch nötig gewesen wäre und ich die einzige Frau ohne Kopftuch sein würde. Es war ein wirklich dringender Notfall. Anschließend konnte man die Haare wieder kämmen, aber das war auch alles. Ein anderes Mal ging zu einer Zweigstelle eines Friseursalons der auch in der New Yorker Fifth Avenue schneidet. Mit ausgiebiger Kopfmassage und einer sehr interessanten Schnitttechnik. Die aber wirklich sehr gut aussah. Und den vielen kleinen Klatschgeschichten wie dem Obstmann, der in seiner Freizeit und auch sonst Alkoholiker ist. Sicher kein 10€-Schnitt.
Und jetzt war es wieder so weit. Seit Monaten weiß ich: Du musst zum Friseur. Seit Monaten schiebe ich es hinaus mit: keine Zeit, kein Geld. Und seit Wochen plagen mich Träume, in denen mir eine Kurzhaarfrisur, oder ein Kinderpony und der Rest kinnlang und ganz kantig geschnitten wird. Oder dass jemand Fremdes, völlig Unqualifiziertes einfach drauf los schneidet.
Aber letzte Woche musste es sein. Ich habe lange Haare. Nein. Ich hatte lange Haare. Und eigentlich mag ich sie auch. Meistens. Außer beim Sport und wenn die Spitzen aussehen wie mein abgelegter Handfeger.
Ich wollte also zu der Friseuse gehen, die mir bei meinem letzten Spontanschnitt die Haare so toll geschnitten hat. Problem! Ich wusste ihren Namen nicht und es stellte sich sowieso heraus, dass sie nicht mehr dort arbeitet. Trotzdem ließ ich mir einen Termin für den morgigen Tag geben:
Es ging schon gut los, als die Azubine mir auf Befehl die Haare wusch und mir dabei ständig Wasser in den Nacken laufen ließ. Und irgendwie wurde das Wasser immer heißer, weit über den angenehmen Bereich hinaus. Und ich bin Heißduscher.
Das Schneiden war schnell vorbei, es sollte so viel wie nötig und so wenig wie möglich runter. Das Ergebnis sieht man ja immer erst nach dem Fönen. Wie immer bat ich darum die Haare glatt zu fönen, denn zu Hause mach ich mir die Arbeit nie. Leider hatte die Friseuse dann bereits einen neuen Kunden und überließ das Fönen der Azubine. In der kurzen Zeit war bereits offensichtlich, dass sie keine Lust hatte und auch von den Kollegen heiß geliebt wurde. Erstmal hat sie den Schaumfestiger fallen lassen, vom Boden aufgekratzt und mir doch noch auf den Kopf geklatscht. Macht ja nix, sieht ja keiner. Dann steckt man ja die oberen Haare hoch und zieht den Rest strähnchenweise glatt. So lange bis alle Haare trocken sind. Ihre Hochstecktechnick machte es nötig, sie bei jeder Strähne zu erneuern und sorgte nebenbei noch dafür, dass die Klammern sich auf angenehme Weise in den feuchten Haaren verhaken. Die Tatsache, dass sie den Rat der Friseuse eine große Bürste zu verwenden ignorierte, verdoppelte etwa die Fönzeit. Davon abgesehen war wohl alles drumherum interessanter als ihre Aufgabe. Das führte dazu, dass es auf einmal sehr heiß am Kopf wurde und mich merklich zusammen zucken ließ. Dies sicherte mir kurzzeitig ihre Aufmerksamkeit. Gut über die Hälfte durchgefönt, bemerkte die Friseuse nebenan, dass Azubinchen mit der falschen Hand fönt. Der gleichzeitige Tausch von Fön und Bürste, blies mir den heißen Luftstrom in voller Stärke ins Gesicht und in die bereits trockenen Haare. Das wieder zu richten endete in Ziepen ohne Ende. Öfters. Ganz zu schweigen von der Kopfnuss, die Azubinchen mir mit dem Fön verabreichte.
Das Überstanden, überprüfte die Friseuse noch mal alles. Ich verzichtete dankend auf jegliche Zusatzprodukte, bezahlte und flüchtete. Als ich den Salon verließ, fühlte es sich an als hätte ich ne Kurzhaarfrisur und nen Kinderpony. Obwohl ich im Spiegel genau sehen konnte, dass es nicht so war. Aber viel zu kurz. Ich hab es mit dem Haare waschen bis zum nächsten Morgen ausgehalten.

abgelegt in den Kategorien:
Glyxmomente Geistesblitze

5 Kommentare zu ' Frustschnitt / Notschnitt – Haarige Sache '

Kommentare abonnieren RSS oder TrackBack zu ' Frustschnitt / Notschnitt – Haarige Sache '.

  1. Saruman schrieb, am 19. April 2006 um 6:05 pm

    endlich die ganze geschichte, diese “hingeworfenen brocken” haben ja noch nicht mal andeutungsweise das wahre ausmaß (der katastrophe) durchblicken lassen

  2. glyxkind schrieb, am 24. April 2006 um 9:51 pm

    Ahah! Du findest ich seh also katastrophal um den Kopf aus. Interessant. :-) Nee geschnitten is es OK, nur wachsen sollen sie. Wachsen! Leider funktioniert das nicht so wie bei den Pflanzen. Die sollen ja besser wachsen, wenn man mit ihnen spricht.

  3. Saruman schrieb, am 24. April 2006 um 10:07 pm

    du musst sie ja nur im spiegel betrachten ;)

  4. glyxkind schrieb, am 24. April 2006 um 10:56 pm

    Dann wachsen sie?

  5. Saruman schrieb, am 25. April 2006 um 9:49 am

    kommt ganz drauf an, wie oft du reinschaust …

Einen Kommentar schreiben