Flasche leer
Sein Zimmer wird geräumt. Und deshalb kann jeder, das was er brauchen kann mitnehmen. Größtenteils befinden sich in dem Zimmer Bücher und Zeitschriften, Kleinkram und son Zeug.
Aus Neugierde geh ich auch mal runter. Ich bleibe allerdings nicht lange. Irgendwie ist mir das alles zuviel. Was mir auffällt ist, dass in dem Zimmer eine Menge Flaschen dageblieben sind. Und da ich ihm auch mal eine geschenkt habe, mit einer recht ungewöhnlichen Form, gehe ich die Reihe entlang ob ich sie nicht zufällig sehe. Natürlich ist sie nicht dabei. Obwohl ich dort jede Sorte von Flaschen signiert mit allen möglichen Frauen-Namen stehen sehe.
Später erzähle ich einer Freundin, dass ich meine Flasche nicht gesehen habe. Wie immer sagt sie: „Vergiss es!“
Aber dass meine Flasche nicht da war, läßt mir so gar keine Ruhe. Nachts im Traum kletter ich sogar über Berge von Sperrmüll nur um zu gucken ob da nicht meine Flasche darunter vergraben ist.
Am Ende sagt meine Freundin: „Komm, wir gehen ein letztes Mal gemeinsam gucken. Danach ist aber Schluss!“
Wir betreten also die Wohnung. Und sie ist schon so ziemlich leer geräumt, bis auf die Standardausrüstung: Bett, Schrank, Stuhl und einigen wenigen liegen gelassenen Kleinigkeiten. Enttäuscht gehe ich durch das Zimmer. Halbherzig öffne ich hier eine Tür, schaue da unters Bett… Doch dann fällt mir im Augenwinkel etwas im Inneren des Schrankes auf. Um besser sehen zu können steige ich auf den Stuhl und schaue noch einmal in den Schrank. Und siehe da: lauter alte, staubige Flaschen stehen dort oben. Ich greife ein paar heraus um sie näher zu betrachten. Und tatsächlich dort ist meine Flasche. Und auf ihr steht mein Name mit Datum von damals. Allerdings bin nicht nur ich dort verewigt sondern bestimmt noch vier andere Damen jeweils mit Datum.
Geschockt, verblüfft, irgendwie aus der Bahn geworfen durch diese Entdeckung lass ich mich erst mal aufs Bett fallen. Ich schaue D mit großen Augen an.
Wie typisch für ihren Unternehmungsgeist nimmt sie mir die Flasche, eine große Sektflasche, aus der Hand, schaut sie sich genau an und sagt:
„Komm wir füllen die Flasche auf, dann leeren wir sie, und dann machen wir sie kaputt.“
Mit neuem Elan antworte ich: „Genau das machen wir!“
insane