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Schuhe

Ich bin in einer neuen Stadt. Ich geh das erste Mal zum Training. Ich bin zwar nicht sehr zufrieden mit mir, aber ich darf wiederkommen. Meinen neuen Arbeitsplatz finde ich ebenfalls sehr spannend. Es macht Spaß. Allerdings verstehe ich den Arbeitsablauf noch nicht so ganz.
Dann gibt’s da noch diesen verwirrten alten Großvater der immer irgendwo durch die Korridore schleicht. Ich bin ihm nie persönlich begegnet. Aber mein inneres Auge ist in seiner ständigen Begleitung.
Und in einem dieser uralten Gänge hört er, wie hinter ihm etwas zu Boden fällt. Er dreht sich um, hebt es auf und steckt es ein.
Am nächsten Tag herrscht eifriges Gewusel auf Arbeit. Ein neuer Auftrag ist eingegangen. Scheinbar ist in einem der alten Gänge die Nase von einem der Porträts/Büsten abgebrochen und diese soll nun Instand gesetzt werden. Mein Kollege ist bereits eifrig dabei eine neue zurecht zu basteln.
Abends dann beim Training ist eine Neue dabei. Als sie sich beim Trainer vorstellt, meint dieser, sie darf nur teilnehmen wenn sie ‘die Schuhe’ hat. Sie nickt, kramt in ihrer Tasche herum und holt etwas Kleines an einer Art Faden heraus. Ich kann es nicht genau erkennen. Anschließend reiht sie sich bei uns anderen ein. Also wird sie wohl ‘die Schuhe’ haben. Was immer der Trainer damit gemeint hat.
Nach dem Training unterhalten wir uns beim umziehen und ich nutze die Gelegenheit sie nach ‘den Schuhe’ zu fragen. Sie guckt mich ganz ungläubig an. Dann holt sie aus ihrer Tasche ein kleines Paar zappelnder Turnschuhe das an den Schnürsenkeln zusammengebunden ist. Es ist eine Miniaturversion der Schuhe die sie auch im Training trägt. Vorsichtig stellt sie sie in das separate Fach im oberen Teil ihres Lockers. Sogleich darauf beginnen die Schuhe zu hüpfen und zu springen, ganz so als würden sie Volleyball spielen. Es sieht sehr lustig aus. Fasziniert sehe ich ihnen eine kleine Weile zu. Dann frage ich auch den Rest meiner Teamkameraden nach ihren ‘Schuhen’ und ein jeder öffnet sein oberes Fach und ich sehe die tollsten Turnschuhe der besten Marken wie sie angreifen, verteidigen, hechten und jubeln.
“Hm, habe ich etwa auch solche Schuhe?”, frage ich mich. Ein wenig skeptisch öffne auch ich mein oberes Fach. Und siehe da, ein Miniaturpaar blauer Badelatschen aus der Drogerie schlurfen langsam vor sich hin.
Ein wenig perplex und sichtlich überrascht schließe ich meine Sachen weg und gehe nach Hause. Wieso wusste ich nichts von meinen Schuhen? Warum sehen meine so anders aus? Und warum hat der Trainer mich nicht nach meinen Schuhe gefragt? Und wie kommen sie dahin?
All dies verwirrt mich sehr und natürlich kann ich all diese Fragen nicht beantworten.
In der Nacht wandert mein Bewusstsein wieder zu dem alten Großvater. Er ist sehr aufgebracht und davon überzeugt ein großen Fehler begangen zu haben, in dem er den Schlüssel einfach eingesteckt hat. Deshalb ist die Nase abgebrochen und er rechnet fest mit weiteren Unglücken wenn er den Schlüssel nicht sobald wie möglich zurückgibt. Deshalb möchte er ‘auf die andere Seite’ gehe. Scheinbar gibt es in einem der alten Gänge eine versteckt Drehtür dafür auf die er sich nun zielstrebig zu bewegt. So wie der alte redet weiß er wohl, dass ich im Geiste bei ihm bin. Er spricht unaufhörlich, aber nicht vor sich hin, sondern so als würde er einem Schüler etwas erklären. Er sagt wir haben nicht viel Zeit. sobald wir den Schlüssel wieder an seinen Platz gebracht haben, müssten wir sobald als möglich zurückkehren. Er biegt in einen sehr dunklen Gang und bleibt etwa auf halbem Weg vor der kahlen Wand stehen. Er dreht und plötzlich steht er in strahlendem Sonnenschein und ich mit ihm. Davon abgesehen, dass nun hell erleuchtet und warm was zuvor kalt und dunkel war, sieht alles haargenauso aus wie vorher. So schnell wie er eben kann geht der Alte in den Gang mit den vielen Büsten und steckt den Schlüssel zurück in das Gewand der Büste, deren Nase gebrochen ist. Dann kehrt er um und hastet zurück. Kurz bevor wir zu der Drehtür gelangen bemerke ich die Anwesenheit von etwas. Ich kann nichts erkennen, aber ich weiß es ist da. Und ich weiß der Alte hat es auch bemerkt. Und es kommt näher. Schnell sagt der Alte noch: Egal was passiert, geh weiter. Dann überkommt mich so ein Gefühl der Schwäche, als wenn mit einem Mal meine ganze Kraft aus mir herausgesaugt wird. Ich kann mich nicht mehr bewegen, ich kann gar nichts mehr außer denken. Ich will mich nach dem Alten umdrehen, aber es geht nicht und hören kann ich ihn auch nicht mehr. Dann bin ich wieder, in körperlicher Form, auf der anderen Seite und stehe vor der kahlen Wand. Alles scheint wie vorher zu sein. Doch wo ist der Alte geblieben?
Langsam mache ich mich auf den Rückweg. Ich sehe noch wie die Nase auf wundersame Weise wieder an der Büste nachgewachsen ist. Und dann aus einem der vielen Nebengänge erscheint der Alte in ungewöhnlich leichtfüßigem Schritt und grüßt mich fröhlich.
An diesem Abend gehe ich wieder zum Training. Doch der Trainer scheint mich komisch an. Als ich meinen Locker öffne fällt mir auf, dass meine Badelatschen weg sind. Und komischerweise weiß ich genau wer sie genommen hat. Ich spreche ihn darauf an und widerwillig rückt er sie heraus. Und das Training geht ganz normal weiter.
Aber was zum Teufel will jemand mit meinen Badelatschen?
Dieser Traum ist ja fast schon erdrückend vor Symbolismus. Das ausgerechnet noch am Neujahrstag.

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