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Unterwegs

Eine Gruppe von Freunden die segeln gehen an der Küste. Einer fehlt. Nachforschungen ergeben, einer der Freunde hatte Probleme und hat Hilfe von dubiosen Leuten angenommen, die jetzt ihr Recht einfordern. Sein Kumpel hilft ihm da aus der Klemme und haut die Gauner übers Ohr. Zuerst denken sie sich: ‘Lassen wir ihn laufen.’, aber seine selbstgefällige Art und die Leichtigkeit mit der er im Leben nichts tut, bringen ihn gegen sich auf. Also verschwindet er. Der ursprüngliche Schuldner kommt ungestraft davon.

Wir sind auf einer Geschäftsreise in den Ort, da wo das Wasser ist. Wir, das bin ich und zwei Betreuer. Jede Gruppe stellt seine Arbeit vor. Ein paar der Leute dort habe ich schon einmal gesehen. Bis kurz vor der Präsentation funktioniert ein wichtiges Detail nicht. Im Prinzip der Kern des Vortrags. Erst kurz vorher bringen wir es zum laufen.
(Detail: Es geht um ein langes Rohr, in das eine winzige fluoreszierende Kugel eingebracht wird, mit dessen Licht für die Untersuchungen genutzt wird. Eine ziemlich fiddelige Arbeit. Ich brauche mehrere Versuche für den richtigen Aufbau und um die Kugel zum Leuchten zu bringen.)
Die Präsentation an sich läuft ganz gut. Es ist eher eine lockere Atmosphäre mit den jeweils anderen Gruppen als Publikum.

Zum Abschluß des Treffens gibt es ein Festbankett. Ich will nicht lange bleiben, nur schnell ‘Hallo’ sagen. Beim Losgehen konnte man vom Balkon aus eine Gruppe Volleyball spielen sehen. Es sind insgesamt drei Mannschaften, die alle rote T-Shirts tragen. Ich schaue ihnen eine Weile zu. Auch diese Leute kenne ich irgendwie, aber auch eher nur vom sehen.
Wir müssen auf den Fahrstuhl warten. Schlange stehen. Währenddessen unterhalten wir uns, aber nichts persönliches. Dann kommt diese Volleyball-Gruppe vorbei. Ein blondes Mädchen aus dieser Gruppe spricht mich an und fragt mich wo ich spiele. Ich antworte ihr. Sie geht weiter. Meine Bekannten gucken mich fragend an.

Der Fahrstuhl ist da. Es handelt sich um einen eckigen Kasten von etwa 1×1 m, deren Wände nur aus einem Gitter bestehen. Wir fahren nach oben in den Bankett-Saal. Wir gehen hinein und los gehts. Endlose Reden. Nach einer Weile brechen wir auf. Einer meiner Betreuer bleibt noch, dafür schließt sich uns eine andere Person an. Wieder warten wir auf den Fahrstuhl. In der Zeit guckt sich mein Betreuer die Rechnung an. Die ist in einen Zeitplan aufgeteilt, und vor 10 min hätte man das Parkhaus bezahlen müssen. Was wir also verpasst haben. Nun ist es zu spät. Er versucht noch die Rechnung zu ändern, aber sie ist auf Folie und kann nicht mehr nachträglich eingelöst werden. Gleichzeitig bekomme ich meine Sachen, die ich vorher dort abgegeben habe, wieder. Man gibt mir ein völlig zerfleddertes Buch, von dem ich weiß, dass ich es in tadellosem Zustand und in Folie eingeschweißt abgegeben habe. Die Folie ist noch vorhanden. Da aber der Buchrücken und das Hardcover vollkommen von dem Rest getrennt sind, ist natürlich auch die Folie geöffnet worden. Mein Gedanke ist nur: Davon wird das Buch zerstört.
Dann kommt endlich der Fahrstuhl. Er ist diesmal viel kleiner und sieht auch wesentlich älter aus. Sehr verschnörkelt. Die Seitenteile sind nicht vergittert sondern nur etwas bis zur Hüfte hoch und dann mit Bögen verziert. Der Boden besteht zu Hälfte aus einer Stahlplatte und zur anderen Hälfte aus einem Gitter durch dass man bis in den Keller blicken kann. Tiefes Schwarz blickt mir entgegen. In der Mitte befindet sich eine Stange zum Festhalten. Nacheinander betreten wir das nicht gerade Vertrauen erweckende Gefährt. Es is sehr eng und sicher nicht für drei Personen ausgelegt. Ich bemühe mich nicht auf das Gitter sondern nur auf die stabiler wirkende Platte zu treten und kralle mich an der Haltestange fest. Alle drin, Tür zu, auf gehts und zwar abwärts. Alles ist sehr wackelig. Es rattert und klappert und ich rechne jeden Moment damit, dass das Teil vor Altersschwäche zusammenklappt. Mir wird schlecht. Aber wir kommen heil unten an.

Auf der Straße quetschen wir uns zu viert in ein kleines Auto und fahren los. Nach kurzer Zeit biegen wir auf eine lange Straße. Schon von Weitem sehen wir mitten auf der Straße einen einsamen Mann. Er blickt uns entgegen macht aber keine Anstalten dem Auto aus dem Weg zu gehen.
Wir halten an, weil wir ihn sonst umfahren würden. Er bittet uns höflich aus zu steigen, wir tun es. Er berührt das Auto ganz leicht mit seinem Zeigefinger. Es verschwindet. Zu Fuß laufen wir weiter. Zunächst sind wir noch zu viert, aber je mehr wir geradeaus laufen, desto weniger bekommt man von den Anderen mit. Bis man ganz alleine weitergeht und niemanden mehr wahrnimmt.
Auf der Strecke begegnet einem der gleiche Mann wieder und wieder, und zwar immer erst dann, wenn man den anderen schon aus dem Blick verloren hat. Jedesmal berührt er einen mit seinem Zeigefinger. Der Fingernagel ist sehr lang, er kratzt einen regelrecht. Und mit jeder Berührung wird einem etwas genommen. Nicht unbedingt materielle Dinge. Dinge die einem wichtig sind. Erinnerungen an Freunde, Bekannte, Glück, Freude, etc. Dinge die das Leben lebenswert machen. Er berührt einen und man geht weiter. Oder schleppt sich weiter. Denn etwas anderes kann man nicht tun. Die Straße hat kein Ziel. Sie führt ins Nichts und immer geradeaus. An den Seiten gibt es Nichts. Es gibt nur diese Straße. Je weiter man voran kommt, desto enger sind diese Stationen bzw. Begegnungen gesetzt. Bis auf einmal in nicht allzu weiter Ferne die Straße nach rechts abbiegt. Doch davor stehen mehrere dieser mysteriösen Männer in kurzen Abständen. Und war man vorher die ganze Zeit allein unterwegs, so stehen nun um jeden dieser Männer drei oder vier Menschen.
Und der Mann tritt auch nicht mehr auf einen zu, sondern man kann sich mehr oder weniger einen aussuchen. Oder vielmehr geht man ohne groß darüber nachzudenken auf einen zu und nimmt was immer passiert in Kauf. Die anderen Leute um mich herum kenne ich nicht, aber sie sehen aus, als ob sie sehr gelitten haben. Ich frage mich wie ich wohl aussehe. Ich kann nicht sagen, dass ich auf diese Strecke gelitten habe. Doch ab und zu schon, aber nicht die ganze Zeit. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Jetzt fühle ich gar nichts mehr. Ich bin leer.
Alle Leute folgen dem Straßenverlauf in die Rechtskurve. Und sobald man um die Kurve gelangt sieht man mehrere Kassen wie im Supermarkt. Nur, dass man keinen Einkaufswagen vor sich herschiebt sondern mit leeren Händen antritt. Man sucht sich eine Kasse aus und wartet bis man an der Reihe ist. Dann wird abgerechnet. Die Kassiererin tippt eine Menge ein und tut sehr geschäftig. Auf der Anzeige erkenne ich, es hat mit dem zu tun, was der Zeigefingermann alles berührt hat. Dann winkt sie einen durch und dahinter ist nichts. Nur gähnende Leere.

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Ein Kommentar zu ' Unterwegs '

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  1. Phil schrieb, am 12. September 2005 um 12:42 pm

    So eine merkwürdige Geschichte aber auch.
    Man muss schon ganz schön verrückt sein, wenn man sowas träumt :)

    lg

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