Schatzsuche
Wieder einmal Familienfeier. Es ist Sommer und wir feiern auf einer großen Grünfläche an einem Fluß. So langsam löst sich die Gesellschaft auf und auch ich mache mich auf den Heimweg. Ich schließe mich einer kleinen Gruppe von Leuten in meinem Alter an. Sie laufen die ebenfalls nach Hause. Wir beschließen die Abkürzung durch den Wald zu nehmen anstatt, wie sonst, außen herum.
Der Weg durch den Wald führt an einem alten und längst verlassenen Anwesen vorbei, von dem es heißt, dass dort ein Schatz versteckt sein soll. Einige der Hinweise wurden zwar schon längst gefunden (z.B. in einer alten Eiche) und entschlüsselt, aber der ‘Schatz’ an sich wurde nie gefunden und ist längst nur noch ein Mythos.
Übermütig wie wir sind, gucken wir uns das Anwesen näher an. Darauf befindet sich eine alte Lagerhalle unter der in vielen unterirdischen Gängen sich früher mal eine Druckerei befand. Aber davon ist nicht mehr viel zu erkennen, denn die ganzen unterirdischen Hallen sind vor Jahren überflutet worden und teilweise nicht mehr passierbar. Wir steigen runter und schauen uns an, was das Wasser übrig gelassen hat. Es ist ziemlich düster da unten und es riecht muffig. Nach einer Weile wird es langweilig und wir wollen die Halle wieder verlassen. Doch da bemerken wir, dass wir nicht allein in den unterirdischen Gängen sind. Außer uns befinden sich noch zwei Fremde dort, die uns allerdings noch nicht bemerkt haben. Offensichtlich suchen sie nach einem Hinweis nach dem Schatz. Sie scheinen aber nicht sehr erfolgreich dabei zu sein, denn die beiden streiten sich gerade, was auch der Grund ist, warum wir sie überhaupt bemerkt haben.
In dem Moment zupft mich einer von hinten am Ärmel und zeigt auf eine ziemlich unscheinbar aussehende kleine Kiste. Idarin befindet sich ein vergilbter Zettel, und ein Plan von den unterirdischen Gängen der Lagerhalle. Auf dem Zettel steht irgendein Kinderspruch: irgendwas mit Durchblick und Schlüssel. Keine Ahnung, ich habe den Zettel nicht gelesen. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass außer dem Eingang in der Lagerhalle auch ein Weg ins Haus führt. Reine Neugier bringt uns dazu mal nachzuschauen, was es dort zu sehen gibt. Der Gang endet in einer Art Arbeitszimmer. Ein ziemlich großer Bücherschrank mit Schreibtisch und Chefsessel dominieren den Raum. Das eigenartige ist, dass dazu in der Ecke noch ein alter Sekretär steht, der überhaupt nicht zu den anderen Möbeln passt. Er scheint auch viel älter zu sein bzw. schon länger in diesem Raum zu stehen. Er ist nicht besonders groß. Ein normaler Erwachsener hätte Schwierigkeiten daran Platz zu nehmen. Das Zimmer wird offensichtlich genutzt, es sieht zumindest belebt aus. Wir schauen uns um, erkennen aber nichts Besonderes. Die anderen Zimmer sehen ziemlich verlassen aus und nichts Interessantes ist in ihnen zu entdecken. Wir kehren also in das Arbeitszimmer zurück und gucken uns die Möbel an. Den unscheinbaren Sekretär in der Ecke nehmen wir uns als Letztes vor. Er ist eigentlich völlig leer. Nichts. Mein Kumpel, den wohl das Schatzsucher-Fieber ergriffen hat, haut, da wir bis jetzt nichts gefunden hatten was man als einen Schatz bezeichnen könnte, frustriert auf den Sekretär. Es machte einmal laut ‘Knack’ und in dem Sekretär geht eine kleine Schublade auf, die vorher so gut getarnt war, dass wir sie gar nicht bemerkt hatten. Die Schublade ist winzig und nur ein schmaler langer Kasten befindet sich darin. Er enthält Linsen und mehrere kleine Schlüssel. Der Schluss Gedicht-Schlüssel-Durchblick liegt nicht weit. Wir stecken die drei Schlüssel ein, lassen den Kasten aber da. Wir verlassen das Zimmer und gehen weiter. Die beiden Fremden haben inzwischen die Suche auch auf das Haus ausgedehnt. Da wir ihnen nicht unbedingt über den Weg laufen wollen, laufen wir in die obere Etage, weg von den Stimmen. Oben angekommen, führt der Weg auf eine Art Terrasse. Wir gehen direkt zur Brüstung und wollen die Ranken an der Mauer hinab klettern. In dem Moment kommt ein Butler. Wir unterhalten uns kurz. Der Butler ist eigentlich nicht auffällig, aber er sagt einen eigenartigen Satz: „Suchen sie im Rahmen der Butter.“
Also erst mal die alte Steinwand herunter geklettert und über den Kiesweg Richtung Park gelaufen. Einer von uns stolpert und fällt in eine Art Loch. Schnell holen wir ihn gemeinsam da raus und überqueren den Rasen. Der Weg durch den Park führt an einem von Bäumen zweireihig eingerahmten Rasenstück vorbei. Und zwischen den Bäumen stehen lauter Butterblumen. Das muss es wohl sein. Und tatsächlich mitten auf dem Rasen ist eine kleine Metallplatte eingelassen. Schnell probieren wir die Schlüssel aus und einer davon passt. In der Vertiefung befindet sich eine kleine elegante Holzkiste in der ein paar alte Münzen und ein wunderschönes altes Fernglas liegt. Wir wollen es einpacken, aber in dem Moment treffen wir wieder auf die Fremden, bzw sie auf uns. Wir waren wohl doch nicht ganz so unbemerkt, wie wir gedacht hatten. Sie bedrohen uns und nehmen uns die kleines Kiste samt Inhalt ab.
Und da klingelt auch schon der Wecker.
Meine Theorie ist, dass das noch nicht alles war. Ich schätze das Fernglas war nur ein weiterer Hinweis. Blöder Wecker.
on fire